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Obgleich wir im Zeitalter der Sampler und Sequenzer leben
gibt es eine neue Generation von Künstlern, die sich,
um ihre Gefühle auszudrücken und Beobachtungen über
die mensch-liche Natur und die Welt in die wir leben anzustellen,
intensiv der akustischen Gitarre und den unverstärkten
Stimmen zuwendet.
Genau hier wird die Präsenz des Chicagoer Sängers
Terry Callier besonders deutlich, denn seine Aufforderung
zu offensichtlich einfachem und nichtsdestotrotz besondere
Geschicklichkeit einforderndem Songwriting, macht sich bei
einer ganzen Menge von zeitgenössischen, innovativen
Künstlern bemerkbar. Sowohl Beth Orton (mit der er für
ihre gefeierte „Best Bit EP“ zu-sammenarbeitete)
als auch Victor Davies, 4-Hero, Earl Zinger, Speeka oder Zero
7, sie alle wurden inspiriert, durch den Mann, dessen ehrfurchterregende
Diskographie mit Alben, wie „The New Folk Sound Of Terry
Callier“, „Occasional Rain“ oder „Fire
And Ice“, Soul, Folk, Gospel und Jazz nahtlos zu verschmelzen
wusste.
Aber anstatt sich auf seinem illusteren Backkatalog auszu-ruhen,
setzte Terry seine Arbeit fort und bewegte sich im Laufe der
Jahre immer weiter vorwärts. Die von der Kritik gefeierte
Veröffentlichung „Timepeace“ (Verve), im
Jahre 1997, kennzeichnete die triumphierende Rückkehr
in das öffentliche Bewusstsein nach einer langen Zeit.
Dieses Ereignis erwies sich als Scheitelpunkt, denn es er-möglichte
Liebhabern handgemachter und leidenschaftlicher Songs, die
Entdeckung eines verlorenen Genies. Eines Mannes, der vom
großartigen Charles Stepney von Chess Records entdeckt
und gefördert wurde und die 70er Jahre Hymnen „Don't
Wanna See Myself Without You“, „Be A Believer“
und „Dancing Girl“ aufnahm. All diese Songs hatten
ein Jahrzehnt später einen enormen Einfluss auf die Rare
Groove Generation.
Inspiriert und motiviert durch sein neues Publikum veröffent-lichte
Terry 1998 „Lifetime“ (Verve) und danach das Livealbum
„Alive“ (Mr Bongo). 2001 war er zudem auf den
vielgepriesenen Alben von Koop (Waltz For Koop) und 4-Hero
(Creating Patterns) zu hören und veröffentlicht
jetzt „Speak Your Peace“, ein neues Soloprojekt,
dass seine enormen Songwriting-qualitäten bestätigt
und seine gemeinsamen Visionen mit Jean-Paul 'Bluey' Maunick
von Incognito und 4-Hero, dem wohl zur Zeit abenteuerlustigsten
Produzenten realisiert. Die Individualität jedes Einzelnen
unterstreicht dabei ihre voll-kommene Kompatibilität.
“Das ist alles sehr aufregend für mich,”
sagt Terry über dieses Zusammentreffen verschiedener
Generationen von Künstlern. „Besonders, als ich
bemerkte, dass Menschen aus einer anderen Zeit und einem ganz
anderem Gebiet; etwas in meiner Arbeit finden, was sie nachvollziehen
können. Das ist absolut fantastisch. Es ergibt sich dabei
ein Verschmelzungsprozess, der uns zu ganz erstaunlichen Ergebnissen
führen kann. Wir haben uns wirklich angestrengt einen
innovativen und zeit-genössischeren Sound zu kreieren.“
Die Zusammenarbeiten entstanden auf ganz natürliche Art
und Weise. „Ich arbeitete mit 4-Hero an einem anderen
Projekt, an dem ich mit ihnen übrigens jetzt noch immer
arbeite, als wir uns entschieden, dass wir in der Lage wären,
gewisses Material für mein Solo Projekt zu verwenden,
dabei floss alles ziemlich angenehm ineinander.“
“Bluey wurde , als ich bei Verve unter Vertrag war,
als möglicher Produzent genannt und ich hatte immer das
Gefühl, dass alles gut zwischen uns lief. Bluey ist meiner
Meinung nach von Charles Stepney, meinem Mentor in Chess Tagen
inspiriert. Diese Linien überschneiden sich mehr, als
manch einer denken würde. Wenn die Chance bestehen würde,
für das neue Projekt mit ihm zu arbeiten, würde
ich das sofort tun. Die Saat für diese Zusammenarbeit
ist schon vor langer Zeit gesät worden. Es handelt sich
hier um Menschen, mit denen ich mich wohl fühle und die
sich mit mir wohlfühlen. Ich glaube die Bezieh-ungen,
die ich zu diesen Menschen habe, gehen über die normale
Produzent / Künstler Beziehung hinaus.“
Bei den gemeinsamen Arbeiten mit 4-Hero „Monuments On
Mars“, „Darker Than A Shadow“ und „Turn
This Mutha“ handelt es sich gewissermaßen um eine
Art Trilogie des gesell-schaftlichen Kommentars, der auf den
ethischen und politischen Belangen beruht, die Terry angenehmer
Weise seit über 40 Jahren nicht müde wird, in seiner
Musik zu verarbeiten. Durch Texte über vergiftete Gewässer
und verschmutzte Landstriche und durch die mahnenden Kräfte,
die nötig sind, um die selben Fehler nicht wieder zu
machen verbindet Terry ökologische und soziale Belange
mit aufrichtiger, tiefempfundener Ernst-haftigkeit. Sein Interesse
an globalen Ereignissen wird außerdem in seinem anrührenden
Klagelied über Sierra Leone reflektiert, indem er über
den durch den Kolonialismus und den Krieg zerrütteten
Staat berichtet. Ebenso, wie durch „Speak Your Peace“
das Bewusstsein wachgerüttelt werden soll, geht es um
Brüderlichkeit. Vielleicht beinhaltet dieses Album mehr
Licht als Schatten. „Caravan Of Love“, „Just
My Imagination“ oder „Brother To Brother“,
ein Duett mit Paul Weller, vermitteln ein so erhebendes Gefühl
der Brüderlichkeit, dass es garantiert in der Lage ist
auch die pessimistischsten Gemüter wachzurütteln.
Die Zusammenarbeit mit Paul Weller entwickelte sich über
gemeinsame Freunde und als die Beiden sich in Blueys Studio
in Islington, Nord London trafen, fanden sie heraus das die
Chemie zwischen ihnen sofort da war.
„Wir sprachen zum ersten mal eine Woche vor den Aufnahmen
miteinander,“ bemerkt Terry. „Ich erwähnte
dabei, dass ich einen Chorus für einen Song hätte,
den man vielleicht Brother To Brother nennen könnte und
als wir dann im Studio waren, ging es nur darum den jeweiligen
Gedankengang in Musik umzusetzen, so dass wir diesen Titel
an einem Nachmittag aufnahmen. Ich schreibe normalerweise
langsamer, aber in diesem Fall war das Level der Inspiration
so hoch, dass wir entschieden, dass es keinen Grund gäbe,
diesen Titel nicht innerhalb eines Nachmittags aufzunehmen.
Wir entdeckten außerdem, dass wir ein übereinstimmendes
Timbre im Bezug auf die Herangehensweise an diesen Song haben.“
Auf “Speak Your Peace“ ergab sich weiterhin die
Möglichkeit für Terry sich mit den wichtigsten Mitmusikern
seiner britischen Band Timepeace, dem schottischen Jazz Gitarren
Veteran Jim Mullen und dem berühmten Akustik Bassisten
Andy Hamill, der unter anderem für seine Arbeiten mit
4-Hero, Beth Orton und Theo Travis bekannt ist, wiederzuvereinigen.
„Als ich an diesem Album arbeitete war ich sehr aufgeregt,
da es sich um ein exaktes Portrait dessen handelte, wo ich
mich zu diesem Zeitpunkt, sowohl musikalisch, philosophisch
als auch emotional befand. Ich fühle, dass wir mit Speak
Your Peace an die selben Grenzen stoßen. Es gibt so
viel, dass ich sagen möchte und was ich fühle und
hoffentlich auch, was andere Menschen auf der Welt durchmachen.
Es fühlt sich genauso an wie bei Timepeace...als ob wir
etwas von meinen Gefühlen für die Welt und meiner
Beschäftigung mit Musik eingefangen hätten. Ich
glaube, das ist der Grund, warum es sich so gut anfühlt.“
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