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Gelegentlich soll es ja passieren, dass eine Band die Gesetze
des Musikgeschäfts nicht nur ignoriert, sondern gleich
neu definiert. Seit ihrer Gründung Ende der Neunziger
hat Kosheen bewiesen, dass Erfolg nicht auf den Regeln Anderer
basieren muss. Bei Kosheen verschmelzen die intimen Vocals
von Sängerin Sian mit den dunklen elektronischen Sounds
von Darren Decoder und Markee Substance. Auch auf Ihrem zweiten
Album „Kokopelli“ behält die Band Ihre Einzigartigkeit
bei; mit Songs bei denen sich Lyrics und Sound gleichermaßen
stark in eine Welt der Erzählungen fügen. Dazu nahm
die Band die emotionale Blaupause des Debüts „Resist“
und fügte Sians an Vertrauen gewachsenem Songwriting
einen stärkeren Rockeinfluss und die Erfahrung jahrelanger
Live-Auftritte hinzu. Mit „Kokopelli“ bestätigt
die Band ihren Status als aufregendste und experimentellste
Band Europas.
Die Grundlage dieser musikalischen Revolution wurde vor Jahren
gelegt, als Musik das Leben der drei Bandmitglieder veränderte.
Darren Decoder (aka Darren Beale) begann in der Schulzeit
in diversen Punkbands zu spielen und schrieb seine ersten
Songs. Er merkte jedoch schnell, dass ihm etwas fehlte. „Der
Sound meiner Gitarre fing an, mich zu langweilen. Ich verwendete
so viele Effekte bis es sich nicht mehr nach einer Gitarre
anhörte.“ Die Rettung kam in Form des Gründers
von Portishead, Geoff Barrow, der Darrens Langeweile mit ein
paar Tipps und Tricks ein Ende setzte. „Geoff offenbarte
mir die Möglichkeiten der Elektronik. Was er mir mit
seinen Samplern zeigte, warf mich um! So etwas hatte ich noch
nie gesehen.“ Mit der wiederentdeckten Begeisterung
für die Musik verkaufte Darren seine Gitarre und schaffte
sich einen Atari und einen Sampler an. „Zu dieser Zeit
startete auch die Rave-Szene in England und übte einen
großen Einfluss auf mich aus. Ich liebte Orbital und
808 State, also fing ich an, elektronische Stücke zu
schreiben. Anfangs schrieb ich viel Hardcore für Raves
und ging dann langsam zum ambient Drum’n’Bass
wie z.B. LTJ Bukem über, bis ich dann mit Markee bei
Raves und Parties in Bristol zum DJ umsattelte. Im Grunde
habe ich die ganze Strecke der Elektro-Musik abgelaufen.“
Gemeinsam veranstalteten Darren und das ehemalige Indiekid
Markee Substance, die Seminal Ruffneck Ting Club Nights in
und um Bristol, auf denen das komplette Sortiment an Elektro-Beats
keine Wünsche offen ließ. Markee wuchs mit The
Smiths, Echo and the Bunnymen und später mit den Stone
Roses sowie den Happy Monday’s auf und etablierte sich
als DJ in der blühenden Drum’n’Bass Szene.
Schon bald darauf ließ es sich das Schicksal nicht nehmen,
dass die Zwei auf Sian Evans trafen. Sian verlies schon im
zarten Alter von 16 Jahren ihre kleine Heimatstadt in Süd
Wales und kämpfte sich zur walisischen Hauptstadt Cardiff
durch. Dort lebte sie bei Freunden oder in besetzten Häusern
und schlug sich mit mehreren Jobs durch. Sie ließ sich
keine Party im Land entgehen. Als die Raveszene 1991 ihren
Gipfel erreichte, kam ihr Sohn, Yves, auf die Welt und zwang
sie dazu, ihre Prioritäten neu zu setzen. Die darauffolgenden
vier Jahre verbrachte Sian, mit ihrem Sohn im Gepäck,
auf Umweltprotesten und jobbte auf Sommerfestivals. Dieser
neue Lebensstil überzeugte Sian vom Leben im Freien.
So zog sie 1996 mit Yves neun Monate lang in ein Tipi. „Ich
empfand es einfach als wundervolle Art zu Leben und wollte
Yves die Freiheit geben herumzulaufen und Erfahrungen zu sammeln.“
Nachts schrieb Sian Songs. „Als Kind schrieb ich alles
in meine Tagebücher und formulierte es dann in Gedichte
um. Es half mir immer meine Gedanken zu ordnen.“ Sie
beschloss daraufhin, dass ihre Zukunft in der Musik lag und
machte sich auf den Weg nach Bristol, um eine Band zu gründen.
Hier kamen Darren und Markee ins Spiel. „Ich hatte beim
ersten Mal im Studio noch nicht mal meinen Mantel ausgezogen
und fing sofort an Lieder mit den Jungs zu schreiben, wobei
ich anfangs total nervös war. Vor der Zeit mit Kosheen
sah ich mich nie als Songwriter. Ich empfand das Schreiben
immer als etwas, das ich für mich tat. Mit 15 wurde mir
in meiner ersten Band weiß gemacht, dass ich mich damit
abfinden sollte im Hintergrund zu stehen und mit dem Hintern
zu wackeln. Das hinterließ tiefe Narben. Mit Kosheen
sang ich einfach drauf los und Markee fand es wundervoll.“
Als Trio lernte die Band schnell, ihre unterschiedlichen Vorlieben
für Rock, Hip-Hop, Jazz, Drum ’n’ Bass und
walisische Volksmusik zu kombinieren.
Die Welt war einhellig der Meinung: Kosheen ist eine besondere
Band. Ihre erste Single „Hide U“ wurde 2002 zu
einer Hymne und stürmte in den UK-Charts auf Platz 6.
In Deutschland schaffte es die zweite Single „Catch“
unter die Top 20 und gehörte zu den 15 erfolgreichsten
Dancesingles des Jahres. Dass sie mit Ihrem ersten Longplayer
"Resist" einen Klassiker ablieferten, ist aufgrund
der nicht enden wollenden Flut von Preisen und Auszeichnungen
mittlerweile unbestritten. Hierzulande gab es eine Echo-Nominierung
als "Best International Dance Act" und auch das
englische Pendant - die Brit Awards hatte die Band neben Acts
wie den Chemical Brothers und Groove Armada auf der Nominierungsliste
für den "Best British Dance Act". Selbst Ronan
Keating erklärte sich zum größten Fan der
Gruppe. Das Album erreichte Platz 6 in UK und fand sich in
Australien, den Niederlanden, Belgien und Griechenland in
den Top 30. In Deutschland verkauft das Album seit seiner
Veröffentlichung stetig im mindestens dreistelligen Bereich
pro Woche und tummelte sich insgesamt 11 Wochen in den Top
100. ‚Hide U’ gewann in den USA den ‚Best
Remix’ bei den Muzik Dance Awards und ‚Record
of the Year’ bei den Dancestar Awards in Miami. Die
LA Times bezeichnete Kosheen als eine der vier heißesten
neuen elektronischen Bands. Weltweit verkaufte sich das Debut
über eine halbe Mio. Mal! „Ich habe die Theorie,“
erklärt Markee „dass die Menschen Qualität
schätzen.“
„Resist“ brachte Kosheen in 33 Länder und
eindrucksvolle 141 Shows mit rund einer _ Mio. Zuschauern,
worunter sich auch zwei ausverkaufte Deutschlandtouren befanden.
„Da die Songs so melodiös sind, lassen sie sich
auch auf der Bühne gut umsetzen,“ meint Sian. „Da
der Großteil unserer Lieder mit Hilfe einer Gitarre
geschrieben wurden, konnten sie auch gut performt werden.
Du weißt einfach, dass ein Lied gut ist, wenn man es
auch außerhalb des üblichen musikalischen Kontexts
spielen kann. Viele unserer Zuschauer sind anfangs schockiert,
wenn sie auf unseren Konzerten eine richtige Band mit Schlagzeug
usw. auf der Bühne finden.“ Im Sommer 2001 zementierte
Kosheen ihren Ruf als großartige Liveband mit einem
Auftritt in Serbien. Das Konzert war das Erste einer internationalen
Gruppe seit Anfang der Unruhen auf dem Balkan. „Im Flugzeug
nach Jugoslawien dachten wir uns alle warum zum Teufel die
uns dahinschicken,“ grinst Markee. „Wir hatten
keine Ahnung was uns dort erwartet. Plötzlich standen
wir vor 20.000 Fans auf der Bühne, die alle begeistert
„Catch“ sangen. Sian und ich schauten uns total
perplex an und dachten uns: was geht denn hier ab?!“
Selbstverständlich bescherte das viele Touren und die
gesammelten Eindrücke auch Inspiration für neue
Songs. Das Resultat: „Kokopelli“. Ein Album mit
dem Namen des nordamerikanischen Indianersymbols für
Fruchtbarkeit, Individualität und Musik. Auf dem Album
findet sich eine Sammlung von hypnotisch intimen Tracks, direkt
aus der Seele der Band, die als Einflüsse die Pretenders,
The Cure, Kate Bush und Radiohead nennt. „Es ist stärker
und finsterer als das Letzte,“ sagt Darren, „und
auch persönlicher. Die Gitarren sind dominanter, was
aber nicht heißen soll, dass es ein Rockalbum ist. Wir
haben einige Elemente aus dem Rock und anderen Musikbereichen,
die uns gut gefallen, zugefügt und haben diesmal Songs
geschrieben, die anders klingen als das was man von Kosheen
kennt. Ich möchte einfach nie in eine bestimmte Schublade
gesteckt werden können.“ Auch diesmal schlägt
sich der Kontrast zwischen Sians Einflüssen walisischer
Volksmusik und dem elektronischen Background Darrens und Markees
positiv in den Songs nieder. Sian offenbart sich Track für
Track mit persönlicheren Texten. Wo der düstere
Track „Recovery“ vom Gefühl des Nicht-Hineinpassens
und exzessiven Drogen- und Alkoholmissbrauchs erzählt,
handelt die erste Single „All in My Head“ von
der unzerbrechlichen Liebe einer Fernbeziehung. Der Text wurde
inspiriert von einem Telefongespräch zwischen Sian und
ihrem Freund. Der Song „Coming Home“ handelt hingegen
von der Sehnsucht die, die man liebt wiederzusehen. „Dieses
Lied gewinnt auf Tour immer an Bedeutung,“ erzählt
Sian. „Beim Gedanken an zuhause wird mir immer warm
ums Herz. Es ist einfach ein wundervolles Gefühl, in
die Arme deines Geliebten oder deiner Kinder heimzukommen.“
Auch mit den neuen Stücken freuen sich Kosheen bereits
wieder darauf den Studio-Sound live auf der Bühne zu
präsenteren. Der Ort, an dem sie wahrhaftig bewiesen
haben, eine Band ohne Limits zu sein. „Ich glaube, dass
wir einfach anders als alle Anderen sind,“ behauptet
Markee entschlossen. „Wir können jede große
Bühne live rocken, aber auch einen kleinen Club zum vibrieren
bringen. Im Grunde sind wir ja nur furchtbar gierig!“
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