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Die Wiedererfindung des Drum’n’Bass hieß
Shake Ur Body und knallte im letzten Sommer auf die 7 der
britischen Charts. Shake Ur Body war nicht nur der größte
Drum’n’Bass Hit aller Zeiten, sondern ein historischer
Moment britischer urbaner Musik: Drum’n’Bass fand
seinen Weg in den Mainstream - lange nachdem er totgesagt
wurde. Die genialen Köpfe, die dem mehr als lebendigen
Corpus Musicus neuen Atem einhauchten, waren SHY FX und T
POWER, die mit Set It Off nun ihr erstes gemeinsames Album
vorlegen.
Set It Off greift die Tugenden von Shake Ur Body und dessen
Magie auf. Die kräftig-hektischen Drum’n’Bass-Grooves,
für die T POWER bereits seit Mitte der neunziger Kultruf
genießt, finden ihren Counterpart mit infektiösen
Soul-Vocals und schaffen eine heilige Verbindung aus Underground-Beats
und drängendem urbanem Soul. Eine Entwicklung, die nur
logisch erscheint, angesichts der Tatsache, dass die sogenannte
Black Music inzwischen zu den Standards der britischen Popszene
gehört: Der MOBO (Music of Black Origin)-Award gehört
zu den Großereignissen, Black Music Radio-Sender wie
1Xtra geben im Radio den guten Ton an und Acts wie Marc B
und Blade genießen Starstatus, ohne an Kredibilität
zu verlieren. SHY FX & T POWER machen nun dasselbe für
den Drum’n’Bass: In die Charts zu gehen, aber
dabei auf Street Level zu bleiben.
Set It Off hält die Balance - und erfindet nebenbei den
Drum’n’Bass neu. Speziell Tracks wie Shake Ur
Body und Don’t Wanna Know, welche die Sängerin
Di featuren, machen das deutlich, indem sie aus den Boxen
zu springen scheinen und unwiderstehliches Tanzfeeling verbreiten.
Oder Feelin‘ You, auf dem die Londoner R&B-Diva
Kele Le Roc über einen gelungenen Mix aus latinogetränktem
Breakbeat und einer Marching Band mit Flöten und Trompeten
wahre Stimmakrobatik betreibt. Aber Set It Off hat auch seine
eigenwilligen Momente, in denen SHY FX & T POWER einen
völlig neuen Flava entwickeln, in dem die Breakbeats
tempomäßig rasant runtergefahren werden, Snare,
Kick und Bass aber ihren Punch unbeirrt hart durchziehen.
Da gibt es aber auch Tracks wie Everything, mit Vocals versetzt
von Gary Paul, der den Background mit den jazzigen Gitarren
mit deepem Soul anfüllt. Calling You, eine phantastische
Verbeugung vor Bob Telsons Titelthema des 1988 von Percy Aldon
gedrehten Films Bagdad Cafe, wird mit den atemberaubenden
Vocals von Christine angereichert. „Ich will Musik machen,
an der sich die Leute wirklich freuen können,“
so SHY FX. „Ich will Tunes entwerfen, die einerseits
einen Drum & Bass-Rave auseinandergehen lassen, andererseits
auch auf einer Alternative Party laufen und die trotzdem für
sich selbst steht.“
Obwohl Set It Off das gemeinsame Debüt von SHY FX und
T POWER ist, hat jeder von beiden eine farbenfrohe Elektronik-Vergangenheit
an allen Ecken des D‘n‘B hinter sich. Ihr erstes
Treffen liegt schon einige Jahre zurück, als beide für
das Pionier-Label S.O.U.R. frühe Jungle-Tunes und D’n’B
aufnahmen.
Hinter SHY FX verbirgt sich der heute 27-jährige Andre
Williams aus Tottenham, Nord-London. Sein Track Original Nuttah
wurde 1994 auf S.O.U.R. zum ersten ernstzunehmenden Drum’n’Bass-Hit.
Später wandte er sich jazzigeren Sounds zu, experimentierte
mit R&B und landete unter einem Pseudonym einen größeren
Hit. Dann widmete er sich dem DJing und brachte alle seinen
Ideen in ein Album mit dem Namen Bambaata, das zur Bibel des
Drum’n’Bass wurde und sich 75.000 Mal verkaufte.
T POWER, der 33-jährige Marc Royal, begann in der Hardcore
Rave-Szene: „Ich habe erlebt, wie das ganze Rave-Ding
sich in Jungle verwandelte. Erlebte all die Fights, hatte
genug davon und ging weiter. Einfach in irgendeine Richtung:
Experimente, verschiedene Sachen ausprobiert, gucken, wo es
hinführt. Es führte zurück zum Drum’n’Bass.“
Marc wurde in Bow, Ost-London, geboren, und wurde zunächst
ein Teil der Bass Selective Crew, als Hardcore Techno zu Jungle
mutierte. Horny Mutant Jazz war seine erste Single und führte
1995 zu seinem Debüt-Album The Self Evident Truth Of
An Intuitive Mind. 1996 erschien Wave Form, wie er selbst
sagt, „ein unglaublich selbstverliebtes Album.“
Long Time Dead beschloss dann zunächst seine Arbeit mit
dem Botchit-Label.
„Ich war irgendwann am Ende der Experimentierschiene
angekommen,“ blickt er zurück. „Irgendwann
kommst Du an den Punkt, wo du Sachen machst, weil sie clever
sind, nicht weil es deinen anfänglichen Vorstellungen
entspricht. Ich wollte wieder etwas machen, wozu ich viben
und tanzen konnte. Ich wollte alles nieder reißen und
zu den Grooves zurückkehren. Und genau zur selben Zeit
fing SHY mit seinem Vocal Drum’n’Bass an.“
Als SHY FX und T POWER sich in Shys Londoner Studio trafen,
ergab sich die Zusammenarbeit beider von ganz allein. Shy
produzierte gerade eine Girlband mit dem Namen Truce. Deren
Sängerin Di fühlte sich von den Beats angezogen
und kam zu den beiden ins Studio. So entstand Shake Ur Body.
„Ich fühlte mich schon immer zu Vocals hingezogen,“
erklärt SHY. „Mittlerweile haben die Leute die
Verbindung aus Vocals und Beats verinnerlicht. Jetzt hören
sich die Track an wie Songs, nicht mehr wie Vocals, die auf
einen Beat gesetzt wurden.“
Und T POWER resümiert: „Drum’n’Bass
war beim ersten Mal noch nicht bereit. Jetzt ist er es.“
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